Das Wohn- und Geschäftshaus Ratswall 22 und sein Anbau

Das Jugendstilgebäude Ratswall 22/Grünstraße wurde in den Jahren 1903/1904 errichtet. Der Architekt war der Baumeister Fritz Gygas aus Halle (siehe Tafel 3).

Bauherr war der Kaufmann Albert Richter (1952-1939). Er war 1882 bis 1902 Mitglied des Bitterfelder Stadtrates und wurde 1924 zum Ehrenbürger Bitterfelds ernannt. Anfang des 20. Jahrhunderts benötigte Albert Richter für sein expandierendes Unternehmen (siehe Tafel 1) ein größeres Geschäftshaus. 1903 ließ er das alte Bauwerk abreißen. Auf dem Gelände entstand ein neues, repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus mit Büro, Lager- und Wirtschaftsräumen sowie einem großen Verkaufsraum an der Ecke. Das Gebäude wurde 1904 fertiggestellt.

Hier betrieb Albert Richter eine große Kaffeerösterei und eröffnete damit 1904 einen neuen Hauptgeschäftszweig in seinem Unternehmen (siehe Tafel 1).

Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz (zur Architektur siehe Tafel 3).

Richters Betrieb wuchs rasch und 1914 gab es bereits Pläne für einen Erweiterungsbau, deren Ausführung jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert wurde.

1925 entstand im Bereich des Hofes, direkt im Anschluss an das Stammhaus, ein Anbau. Er umfasste eine Lagerhalle mit Rampe zur Anlieferung der Waren sowie weitere Räume, einen Pferdestall und eine Kutscherstube. Diesen Bau hat der Architekt Johannes Reuter (1897-1975) entworfen. Reuter hatte in Offenbach am Main studiert. Sein Lehrer war Dominikus Böhm, einer der Vertreter des „Neuen Bauens“, das sachliche und schlichte Formen bevorzugte und neue Bauweisen entwickelte. Seit 1921 wohnte Reuter in Bitterfeld. Zunächst arbeitete er im Bauamt. Ab 1924 war er freischaffender Architekt. Einer seiner ersten Aufträge war der Bau eines Lagerhauses für die Firma Richter.

Im Manuskript für eine Broschüre zu 75jährigen Bestehen der Firma „Albert Richter“ heißt es zum Anbau:
„Entsprechend der Gesinnung der Firmeninhaber ist kein Wert auf ein äusserliches Wirken des grossen Gebäudes gelegt worden. Insbesondere ist es nicht an die Straße gebaut, obwohl dazu die Möglichkeit gegeben war. …Der Bau entspricht allen neuzeitlichen Bedürfnissen … Er ist feuersicher in Eisenbeton ausgeführt.“

Die Bauarbeiten begannen am 1.4.1925 und bereits am 14.11.1925 meldete Reuter die Fertigstellung und bat um die Endabnahme des Gebäudes. Es handelt sich um den Gebäudeteil, in dem sich heute die beiden Ausstellungsräume für zeitgenössische Bildende Kunst befinden (siehe Tafel 7).

 

Wohn- und Geschäftshaus Albert Richter, erbaut 1903/04 (Fotomappe Albert Richter, Galerie am Ratswall, 1995)
Wohn- und Geschäftshaus Albert Richter, erbaut 1903/04 (Fotomappe Albert Richter, Galerie am Ratswall, 1995)
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Ein Überblick über die Hausgeschichte

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OT Bitterfeld
Ratswall 22
06749 Bitterfeld-Wolfen

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E-Mail: Katja.Muenchow@anhalt-bitterfeld.de

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Kunsthistoriker
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