„Welche Faktoren fördern Frieden?“ Ein Projekt mit Schüler/Innen der 11. Klasse in der Musik-Galerie an der Goitzsche
2025 ist ein ganz besonderes Jubiläumsjahr, denn seit 80 Jahre herrscht Frieden in Deutschland.
Doch wir blicken auf ein Jahr zurück, in dem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz über 130 bewaffneten Konflikte weltweit verzeichnet, in dem Krieg ganz in unserer Nähe, in der Ukraine tobt, in dem darüber diskutiert wird, wie unser Land „kriegstüchtig“ wird und in dem Schüler in Deutschland gegen eine Wehrpflicht demonstrieren.
Es ist an der Zeit zu fragen: Welche Faktoren fördern Frieden?
Schüler/Innen des Walther Rathenau-Gymnasiums Bitterfeld (Leistungskurs Deutsch, Sekundarstufe 2) haben sich diese Frage gestellt. In einem Projekt, das vom 16. bis 18. Dezember 2025 in der Musik-Galerie an der Goitzsche stattfand, haben sie sich unter Anleitung des Magdeburger Literaten und Performers Herbert Karl von Beesten künstlerisch mit dem Thema Krieg und Frieden auseinandergesetzt. Ermöglicht wurde dies durch Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und vor allem durch die Kooperation zwischen den Vereinen Packts an e.V., Jugendclub 83 e.V., dem Europagymnasium Walther Rathenau und der Galerie.
Um die Jugendlichen in das Thema einzuführen, präsentierte Herbert Beesten am 16. Dezember seine Bühnenshow „Was wollt Ihr hören“ (Lesung 7.11.2025 in der Galerie) auf. Man könnte sie als frühen Poetry Slam bezeichnen. Rainer Maria Rilke (1875-1926) und der in Genthin geborenen Schriftsteller Edlef Köppen (1893-1939) treffen in einem „literarischen Wettbewerb“ aufeinander und disputieren zum Thema „Krieg“. Köppen widmet sich dem Thema in seinem Roman „Heeresbericht“ mit „Neuer Sachlichkeit“ und steht damit im Gegensatz zur lyrisch-romantisierenden Darstellung Rilkes. Beesten setzt die fiktive Auseinandersetzung schauspielerisch in Szene und ergänzt seine Darbietung mit multimedialen Einspielungen. Wie entschieden die Gymnasiasten? Wen wollten sie hören? Mehrheitlich voteten die Jugendlichen für Edlef Köppen und seine sehr klare und deutliche Sprache, die „nüchtern-sachlich“ die Schrecken des Krieges beschreibt.
Am zweiten Tag standen die Jugendlichen vor der Aufgabe, selbst Präsentationen zum Projektthema zu erarbeiten. Die Entscheidung über das „Format“ blieb den Schüler/Innen überlassen. Vorschläge gab es viele. Zum Beispiel hätten Sie (wie Beesten) die Form des „Poetry Slam“ wählen können – oder eine „Hörspiel“ oder eine „Reportage“ … In vier Arbeitsgruppen wurde intensiv gearbeitet und diskutiert. Herbert Beesten stand den Schüler/Innen mit Rat und Tat zur Seite und verriet viele Tricks und Kniffe aus der Theaterarbeit. Hauptsächlich aber ging es um inhaltliche Fragen, um das Durchdenken und Verstehen, das Argumentieren und Überzeugen.
Am dritten Tag arbeiteten die Jugendlichen noch einmal intensiv und voller Tatkraft an ihren Beiträgen und bereiteten sich auf das „Finale“ vor. Mit großer Spannung erwarteten alle die Abschlusspräsentationen.
Vier Szenen wurden aufgeführt:
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eine Talkshow, in der Expert/Innen über das Für und Wider von Kriegsspielzeug diskutierten,
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ein Pokerstammtisch von vier jungen Frauen in einer Bar, die sich miteinander und mit der Serviererin darüber unterhielten, ob der Mensch gut oder böse sei,
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eine Gerichtsszene, in der über das Verbot kriegsverherrlichender „Landser-Hefte“ verhandelt wurde und
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eine Late-Night-Show, in der es um Ego Shooter-Spiele und um das öffentlich diskutierte Konzept eines Losverfahren zur Auswahl Wehrdienstleistender in Deutschland ging.
Im Unterschied zur zu Beginn des Projektes von Herbert Karl von Beesten vorgetragenen Bühnenshow wurde nicht darüber abgestimmt, „wen man hören wolle“. Applaus gab es von allen für alle Gruppen.
Viel Zustimmung zum Projekt kam von allen Beteiligten auch in der „Abschlussrunde“. Die Frage „Welche Faktoren fördern Frieden?“ wurde aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Jeder kam zu Wort und konnte seine Meinung sagen. Dabei waren interessante Aspekte und Meinungen zu hören, die zum Nachdenken anregten. Alle haben beim „Theaterspiel“ mitgemacht und freuten sich über den Erfolg ihrer Präsentation.