Vortrag „Wiederkehr einer Landschaft“ Prof. Ana Viader Soler
Sehr gut gefüllt war die Musik-Galerie am Ratswall am 19.05.2025, eher ungewöhnlich an einem Montagvormittag. Rund 60 Schülerinnen und Schüler sowie ca. 20 interessierte Gäste aus Bevölkerung und Umweltverwaltung hörten den Vortrag von Ana Viader zum Thema „Wiederkehr einer Landschaft“ im Rahmen der Europawochen. „Europa bewegt uns“ ist das Motto.
Und was bewegt Europa? Das Zusammenspiel von Klima, Natur und Gesellschaft stellte Frau Professor Viader in den Mittelpunkt. Was sie sonst den Studierenden des Institutes für Landschaftsarchitektur der TU Dresden vermittelt, stellt sie nun den Anwesenden dar und nimmt sogleich Bezug auf Europa. Fundstücke in Archiven zeigen, dass man sich schon im 14. und 17. Jahrhundert darüber bewusst war, dass der Schutz der umgebenden Landschaft auch Schutz der Bevölkerung bedeutet.
Am Beispiel der bereits damals gefährdeten Stadt Venedig wurde deutlich, wie sehr Landschaft und Sicherheit zusammenhängen: Venedig drohte aufgrund von Sedimentablagerungen, herangespült aus den nahen Alpen, zu versanden und der Lagune dadurch den natürlichen Schutz vor Feinden zu nehmen.
Um den Schutz dieser natürlichen Ressourcen geht es heute ebenso. Viele Beispielprojekte zeigen die europa- und weltweiten Bemühungen, unseren Lebensraum resilienter zu gestalten. Das muss und darf nicht immer der „Komplettabriss“ und anschließende Neubau sein.
Die Stadt der Zukunft, so Viader, existiere schon. Man müsse nachhaltig im Bestand bauen, reparieren und verbessern. Auch kleine Schritte helfen, wenn die Mittel knapp sind. Voraussetzung sei, das Bewusstsein für nachhaltiges Planen und Bauen zu schaffen.
Die Notwendigkeit, Co-Habitation in den Großstädten zu ermöglichen, wurde ebenfalls betont, d.h. Korridore inmitten urbaner Landschaften für Insekten, für Begrünung, für Sickerflächen zu schaffen. Neben Nachhaltigkeit ist auch die Barrierefreiheit ein großes Thema, um möglichst allen Nutzergruppen Teilhabe zu ermöglichen.
Im Austausch mit den jungen und erwachsenen Besuchern werden nachhaltige Baumaterialien, politische Rahmenbedingungen und der eigene Standpunkt zu ökologischem Bewusstsein angesprochen. Insbesondere in Geografie und im Fach Kunst existieren laut den Lernenden Berührungspunkte zu urbaner und ländlicher Architektur, die nun durch die Aspekte von Ana Viaders lebendigem Vortrag ergänzt werden können.
Auch auf die örtliche Transformation der ehemaligen industriell ausgebeuteten Bergblaulandschaft vor den Toren Bitterfelds wird im Dialog verwiesen. Die unkontrollierte Flutung des Restloches durch die Muldeflut 2002 und die Umgestaltung der Goitzsche zu einer Erholungs-, Freizeit- und Kunstlandschaft haben die Jugendlichen nicht selbst erlebt, ist bei den Erwachsenen jedoch sehr präsent.
Für Ana Viader ein beeindruckendes Beispiel für kreative Landschaftsgestaltung und Anlass, die Gymnasiasten zur Vertiefung weiterer guter Beispiele nach Dresden an ihr Institut einzuladen. Die Leiterin der Musik-Galerie lud die Besucher zum Besuch der Galerie-Ausstellung „Landschaftskunst Goitzsche“ ein und kündigte einen Folgevortrag zum Thema Rekultivierung der Goitzsche und Landschaftskunst an.